Vergangene Veranstaltungen
  • 09.03.2018 – Interaktive Stadterkundung
  • 13.07.2018 – Internationales Donaufest: Frauen Frühstück
  • 13.07.2018 – Internationale Konferenz in Ulm: „Spurensuche nach immateriellem Kulturerbe in den Donauländern“
ULM liegt an den Flüssen Donau und Blau, an der Grenze zu Bayern, hat die jüngste Universität Baden-Württembergs und bald eine zweite Straßenbahnlinie, vor allem aber den höchsten Kirchturm der Welt. Und darauf sind die Ulmer stolz. Der Turm des Ulmer Münsters misst 161,53 m und gehört zu der größten evangelischen Kirche in Süddeutschland. Finanziert haben den Bau wohlhabende Kaufleute aus Ulm, weshalb das Münster auch als Bürgerkirche bezeichnet wird. Dies erklärt das besonders innige Verhältnis der Ulmer zum Münster.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das architektonisch moderne Stadthaus auf dem Münsterplatz, das Fischerviertel an der Blau, sowie das Kloster Wiblingen mit seiner Barockbibliothek. Jedes Jahr im Juli feiert Ulm am Schwörmontag seine erste Stadtverfassung aus dem 14. Jahrhundert und das Internationale Donaufest findet alle zwei Jahre statt.

Einwohner: 122.636 (2016)

Berühmte Persönlichkeiten: Albert Einstein, Hans und Sophie Scholl und die Schauspielerin Hildegard Knef.

BARBARA KLUNTZ, Ulm

Ich waiß nit z’sagen, wie vil Gut, In Musica ist verborgen; Gott und Menschen sie g’fallen thut,
Music vertreibt die Sorgen, Music verjagt die Traurigkeit, Music den Geist erneüet, Music macht Lust, und kürzt die Zeit, und ewig uns erfreüet…

Barbara Kluntz (1660 – 1730), war eine Frau mit vielseitigen Talenten. Wo und bei wem sie ihre musikalische Ausbildung erhielt, ist nicht bekannt. Erst als sie 1704 den evangelischen Ulmer Sammlungsfrauen beitrat, existieren Aufzeichnungen über ihre Tätigkeiten als Klavierlehrerin und Komponistin. Bei ihrem Eintritt war sie bereits 44 Jahre alt. Was sie seinerzeit dazu veranlasste, in diesem – für dieses Zeitalter – fortgeschrittenen Alter in die Sammlung einzutreten ist nicht überliefert. Da sie mit ihrem Mädchennamen aufgenommen wurde, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht verwitwet war. Aus ihrer Kindheit ist ebenfalls nicht viel bekannt. Sie war das dritte Kind des Ehepaars Peter und Katharina Kluntz, geb. Messerschmid. Da ihr Vater von Beruf Schneider war, kam sie in ihrer Kindheit zu dem Kosenamen „Schneiderbärbele“.

Bemerkenswert ist, dass sie als Sammlungsfrau in einem Gemälde nach 1717 porträtiert wurde (Maler unbekannt). Dieses Gemälde ist auf der vorherigen Seite abgebildet. Auf dem Porträt ist Barbara Kluntz mit den wesentlichen Merkmalen ihres Lebens abgebildet: einem kleinen Kreuz, einem ihrer Choralbücher, Schreibgeräten sowie im Hintergrund (wahrscheinlich) ihre eigene Orgel. Sie sah sich selbst als „Edlen Musik Kunst Liebhaberin“.

Zu den von Barbara Kluntz verfassten Werken gehören das „Musik- und Choralbuch“ von 1711 und das „Clavier-Music Buch“ von 1720. Diese beiden Werke befinden sich im Ulmer Stadtarchiv. Ihr Choralbuch von 1717 gilt bis heute als verschollen. Diese Bücher enthalten zum Teil eigene Notensätze, Gesänge und Arien sowie Einzelkompositionen geistlicher Lieder, die im Ulmer Gottesdienst gesungen wurden. Barbara Kluntz gab wahrscheinlich auch gemeinsam mit ihren Klavierschülerinnen Konzerte im Sammlungsstift, vermutlich auch im Schwörhaus.

Um sie zu ehren wurde eine Straße am Ulmer Safranberg nach ihr benannt, der „Barbara-Kluntz-Weg“. Im Ulmer Museum hängt das im Text erwähnte Gemälde dieser begabten Frau.

SOPHIE SCHOLL, Ulm

Wir schweigen nicht. Wir sind euer schlechtes Gewissen. Die Weiße Rose lässt euch keine Ruhe.“

Flugblätter der weißen Rose

Sophie Magdalena Scholl (1921 -1943), war eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Sie gehörte der Widerstandsgruppe Weiße Rose an, welche durch Flugblätter zum Sturz des NS-Regimes aufrief. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder, Hans Scholl, wurde sie wegen Hochverrats vor dem Volksgerichtshof in München zum Tode verurteilt und am selben Tag durch das Beil hingerichtet. Sie wurde 21 Jahre alt.

Geboren wurde Sophie Scholl 1921 als drittes Kind von Magdalena und Robert Scholl in Forchtenberg. Ihre Familie zog im März 1932 nach Ulm. Ihr Vater hatte sich dort als Teilhaber in ein Steuerberatungsbüro eingekauft. Kurze Zeit später trat Sophie Scholl aus Begeisterung vom Gemeinschaftsideal des NS-Systems dem Bund Deutscher Mädchen (BDM) bei. Nach und nach hinterfragte sie das NS-Regime jedoch und entwickelte zunehmend eine Abwehrhaltung. In der Hoffnung, den Reichsarbeitsdienst zu umgehen, fing sie nach ihrem Abitur 1940 eine Ausbildung zur Kindergärtnerin an. Diese Ausbildung wurde allerdings nicht als Ersatz anerkannt, sodass sie erst nach ihrem Reichsarbeitsdienst Biologie und Philosophie studieren konnte. Für ihr Studium ging sie 1942 nach München, wo ihr Bruder Hans Medizin studierte.

Hans Scholl und sein Freundeskreis veröffentlichten zu dem Zeitpunkt unter dem Namen „Weiße Rose“ Flugblätter, die heftige Kritik an der Politik von Hitler übte. Sophie Scholl schloss sich ihnen an und engagierte sich im Januar 1943 bei einer weiteren Flugblattaktion. Bei der Verbreitung des sechsten Flugblatts am 18. Februar wurden sie und ihr Bruder dabei ertappt, wie sie an der Universität Flugblätter von einer Brüstung in den Lichthof hinabstießen. Die beiden wurden sogleich verhaftet. Drei Tage später wurde Sophie Scholl wegen Hochverrats verurteilt und ermordet.

In Ulm ist ein Gymnasium nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt und in Ulms Neuer Mitte befindet sich der Hans-und-Sophie-Scholl-Platz. Im Ulmer Stadthaus sind zu ihren Ehren Bronze-Büsten aufgestellt, die von Otl Aicher gestaltet wurden, dem Ehemann ihrer Schwester Inge. Das erste Wohnhaus der Familie Scholl in der Olgastraße wurde zu Ehren ihrer und ihrem Bruder Hans benannt: „Geschwister-Scholl-Haus”. In dem dort angebauten modernen Foyer erinnern Fotos und Textzitate an die Familie Scholl.

AGNES SCHULTHEIß, Ulm

Agnes Schultheiß (1873 – 1959), engagierte sich sowohl sozial als auch politisch: Sie war Mitgründerin des „Rettungsvereins Guter Hirte“ im Jahr 1908 und zog 1919 als eine der ersten Stadträtinnen ins Ulmer Rathaus ein.

Geboren wurde Agnes Schultheiß 1873 in Danzig als elftes von zwölf Kindern in eine liberale und großbürgerliche Familie namens Landmann. Ihr Weg führte sie allerdings erst nach ihrer Heirat mit dem Postinspektor Franz Schultheiß im Jahr 1906 nach Ulm.

Zuvor war sie in Danzig an einer höheren katholischen Mädchenschule Lehrerin. Sie hatte nicht nur eine pädagogische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, sondern absolvierte – als eine der ersten Frauen – ein Universitätsstudium der Philologie an der Universität Oxford. Später (als Frauen in Preußen studieren durften) wechselte Agnes Schultheiß an die Universität Bonn und widmete sich dem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften.

In Ulm angekommen engagierte sie sich in der katholischen Kirchengemeinde und in der bürgerlichen Frauenbewegung. Agnes Schultheiß gründete 1908 den „Rettungsverein Guter Hirte“ mit. Dieser Verein kümmerte sich um junge Mädchen, die aufgrund einer Schwangerschaft aus ihrem Elternhaus verstoßen wurden. 1912 übernahm Agnes Schultheiß den Vorsitz und leitete den Verein bis 1939. Danach war sie bis zu ihrem Tod Ehrenvorsitzende.

Politisch setzte sie sich für das Frauenwahlrecht ein. Das neben stehende Zitat stammt aus einer Wahlrede, die sie im damaligen (Saalbau, heute Bahnhofstraße 8) hielt. 1919 zog sie nach Katharina Lutz (Hebamme) und Emmy Wechßler (Fabrikantenwitwe) als eine der ersten Stadträtinnen ins Ulmer Rathaus ein. Dem Ulmer Gemeinderat gehörte sie bis 1928 an.

Zum Andenken an Agnes Schultheiß gibt es in Ulm eine Stele (von derzeit zehn Stelen), die sich ihren Lebensleistungen widmet (in der Bahnhofstraße). Zudem wurde in Erinnerung an sie der neugestaltete Platz vor dem Weststadthaus in „Agnes-Schultheiß-Platz“ benannt.

ILSE SCHULZ, Ulm

Der Mensch steht mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt, die Patientinnen und Patienten
genauso wie die Mitarbeiter*innen

Für Ilse Schulz hat immer der Mensch im Mittelpunkt gestanden. Diesem Leitgedanken folgte sie konsequent und richtete ihr Handeln danach aus. Als Zentraloberin prägte sie mit ihrer Fachkompetenz in den 70er und 80er Jahren das Reformkonzept der pflegerischen Versorgung der Universitätsmedizin Ulm. Gleichzeitig setzte sie sich für die berufliche und gesellschaftliche Chancengleichheit von Männern und Frauen ein. In ihrem Ruhestand schrieb die Historikerin und Buchautorin über den Lebensweg von Frauen und forschte nach den Wurzeln des Krankenpflegewesens in Ulm. Daraus entstand ihr erstes Buch „Schwestern, Beginen, Meisterinnen. Hygiesias christliche Töchter im Gesundheitswesen einer Stadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflege und Heilkunde“. Später widmete sie sich den von der offiziellen Geschichtsschreibung oftmals übersehenen Ulmer Frauen.

In Ihrem Buch „Verwehte Spuren” hat sie aufgezeigt, dass Frauen als Bürgerinnen in vielen Berufen, als Klosterfrauen, als Stifterinnen oder wie Agatha Streicher, die im 16. Jahrhundert als einzige Frau, als anerkannte Ärztin in Deutschland zugelassen war, ganz wesentlich zur Entwicklung des Gesundheits- und Sozialwesens, der Wirtschaft und Kultur in Ulm beigetragen haben. Zur Erinnerung an Ilse Schulz und ihre Bedeutung für das Klinikum und die Stadt Ulm hat ein Aktivkreis am Universitätsklinikum Ulm einen Trinkwasserbrunnen auf dem Oberen Eselsberg aufgestellt. An diesem Ort können alle Patient*Innen, Mitarbeiter*Innen und Besucher*Innen durch frisches Wasser Kraft schöpfen.

Im Jahr 2002 wurden die ersten sieben Gedenkstellen für Frauen aus 7 Jahrhunderten der Ulmer Stadtgeschichte aufgestellt. Das Projekt wurde vom Sozialministerium Baden-Württemberg gefördert und zielte darauf, Leistungen von Frauen in der Geschichte sichtbar zu machen. Ilse Schulz war an der Umsetzung maßgeblich beteiligt; gemeinsam mit Eva Noller schlug sie die Frauen der Ulmer Stadtgeschichte vor und lieferte Daten und Texte.

Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand im Oktober 1984 widmete sich Ilse Schulz der Frauengeschichtsforschung. Es folgten zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Buchveröffentlichungen, mit denen sie einen wesentlichen Beitrag für ein besseres Geschichtsverständnis leistete. Für ihre Verdienste wurde sie von der Stadt Ulm und vom Land Baden-Württemberg mehrfach ausgezeichnet. Ilse Schulz starb am 31. Januar 2009.

MATHILDE WIELAND, Ulm

Möget Ihr auch fernhin treu zu meinem Hause stehen. Von meiner Seite dürft Ihr versichert sein, dass ich das Andenken meines lieben sel. Gatten nicht besser zu ehren weiß, als indem ich mit Hilfe meines Schwagers und des Herrn Stahl dem Fortbetrieb des Geschäftes auch Eurer Wohl nach Vermögen zu fördern streben.“

Mathilde Wieland leitete 20 Jahre lang erfolgreich das Ulmer metallverarbeitende Unternehmen Wieland. Und dies zu einer Zeit, in der Frauen die Rolle der Ehefrau und Mutter zugedacht wurde.

Mathilde Wieland heiratete im Alter von 24 Jahren ihren 45 Jahre älteren Onkel Philipp Jakob Wieland. Bei diesem hatte sie seit dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1860 den Haushalt geführt. Die Hochzeit fand im Jahr 1862 statt. Davor ist nicht viel über Mathilde Wieland bekannt – nur soviel, dass sie keine Ausbildung erhielt und wie damals üblich – auf eine standesgemäße Heirat wartete. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, zwei Töchter (*1864, *1866) und zwei Söhne (*1863, *1867).

Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1873 übernahm Mathilde Wieland sein Unternehmen. Sie führte dies gemeinsam mit einem kaufmännischen und einem technischen Leiter fort. An dem Wohl ihrer Belegschaft war ihr viel gelegen. Das unten stehende Zitat verdeutlicht dies. Es stammt aus einem Brief an ihre Mitarbeiter. Im selben Jahr ließ sie einen Pensionsfond einrichten: An die ältesten Arbeiter wurde jährlich zum Todestag ihres Ehemannes der Zins eines angelegten Kapitals ausbezahlt. Aus diesem Pensionsfond ging 1922 die Wieland-Stiftung hervor, die auch heute noch Träger der betrieblichen Altersvorsorge ist. Unter ihrer Firmenleitung erhöhte sich die Zahl der Belegschaft von 276 auf 454. Im Jahr 1892 übergab sie die Geschäftsleitung an ihre zwei Söhne und engagierte sich fortan sozial. Sie spendete „40.000 Reichsmark für ein öffentliches Bad in Ulm, unter der Bedingung, dass arme Leute unentgeltlich baden dürfen“.

In Ulm wurde eine Straße nach ihr benannt, die Mathildenstraße in der Ulmer Oststadt. Die Wieland-Werke AG hat ihren Sitz nach wie vor in Ulm und ist mittlerweile einer der weltweit führenden Hersteller von Halbfabrikaten aus Kupfer und Kupferlegierungen.

„Möget Ihr auch fernhin treu zu meinem Hause stehen. Von meiner Seite dürft Ihr versichert sein, dass ich das Andenken meines lieben sel. Gatten nicht besser zu ehren weiß, als indem ich mit Hilfe meines Schwagers und des Herrn Stahl dem Fortbetrieb des Geschäftes auch Eurer Wohl nach Vermögen zu fördern streben.“